Was brauchen Kinder in den ersten drei Jahren?

Das Wichtigste, was der Mensch braucht, ist Sicherheit.

Kinder können die Sicherheit aber nicht aus sich selbst entwickeln.
Sie brauchen gute Vorbilder, die sie absichern, sich um ihre Bedürfnisse kümmern, sie in ihrem Verhalten spiegeln,  sodass sie zu einer starken Persönlichkeit heranwachsen können. Ihre Eltern! Euch!
Das braucht Zeit.

In der Hirnforschung benennt man diese Zeit als Innenentwicklung. Sie ist dafür da, die grundlegenden Sicherheitsgefühle für sich selbst zu entwickeln und zu stärken. Sie hat ihre Hochzeit in den ersten drei Lebensjahren.
Passiert in dieser Zeit zu viel Input von außen, konzentrieren die Kinder sich auf die Außenentwicklung, was bei den Kindern, wenn die Zeit dafür noch nicht reif ist, zu einer Überstressung führt.

Dieses sieht man heute in den Schulen und auch schon in den Kindertagesstätten. Kinder leiden unter Stresssymptomen wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel, Unruhe usw..

Es ist überall zu sehen.

In Melinas Abiturklasse im letzten Jahr gab es nur drei Jugendliche, die nichts gegen Stress und Überforderung einnahmen.
Das Schulsystem ist eine Megakatastrophe. Was in den Stunden und auf den Schulhöfen passiert, ist ohne Worte.

Aufgrund dieser Entwicklung halte ich es für unausweichlich, den typischen Werdegang unserer Kinder kritisch zu betrachten.

In der Menschheitsgeschichte gab es noch nie eine Zeit, in der die Kinder so früh fremd betreut wurden wie in den letzten 30 Jahren. Außerdem gab es ebenso noch nie eine Zeit, in der von Erwachsenen so viel Doppel- und Dreifachbelastung erwartet wurde.
Nicht nur die Kinder leiden unter diesem Stress. Die Erwachsenen eben auch. Entspannung und Entschleunigung fällt immer schwerer.

In meinen Gruppen erlebe ich zunehmend ein schwer fallendes Einlassen auf die Kinder. Der Anspruch an die Mutter von heute ist gravierend hoch.
Die Mütter haben oft das Gefühl, ihnen fehlt etwas, wenn sie nicht zur Arbeit gehen und ihren Beitrag leisten. Der Lebensanspruch steigt und somit auch die finanzielle Belastung.

Ich kenne kaum eine Mutter vor 20 Jahren, die es nicht bedauerte, wenn die Zeit mit ihrem Kind (in der Regel nach drei Jahren) zu Ende ging.
Heute wird dem ersten Geburtstag entgegengefiebert, weil Frau dann endlich wieder arbeiten kann.
Eine Berufsgruppe ist besonders motiviert, wenn es finanziell irgendwie geht, die drei Jahren der Innenentwicklung dem Kind zuhause zu gönnen. Das sind die Krippen Erzieher (warum wohl?).
In meinen Gruppen fällt mir sehr auf, dass Mütter aus diesem Beruf, ihre Kinder so lange wie möglich zu Hause lassen.
Das ist meine Erfahrung.

Dabei geht oft die Empathie verloren.

Vor einiger Zeit verließ ein Kind mit 10 Monaten unsere Gruppe, weil es bei der Tagesmutter eingewöhnt wurde. Es war das älteste Kind der Gruppe.
Die Mutter stieg in ihren alten Job Vollzeit wieder ein. In Hamburg. Fahrdauer ca. 1.5 Stunden pro Tour. Plus 9 Stunden auf der Arbeit macht 12 Stunden unterwegs. Das ist schon ohne Kleinkind eine totale Belastung, beschauen wir uns nur die Belastung der Frau.
Der Vater brachte zur Tagesmutter und holte auch ab. Also ein einjähriges Kind 9 Stunden fremd betreut. Zu Hause sind dann alle fix und fertig.
Die anderen Mütter der Gruppe wurden zum ersten Geburtstag eingeladen und erzählten, dass sie mit ihren Kindern vor der Tür standen. Der Vater riss, als Clown verkleidet, die Tür auf und machte Buh. Alle Kinder fingen an zu schreien.
Auch drinnen hörte es nicht auf. Er sprang durch die Zimmer und bemerkte nicht, dass die Kinder Angst hatten.

Das ist eine extreme Geschichte, aber sie ist heute kein Einzelfall mehr.
Es wird immer mehr geboten. Der Aktionismus kennt kein Halten mehr. Dabei verlieren wir immer mehr die Kinder aus den Augen.
So viele Mütter sind noch und nöcher belesen. Man kennt sich aus in allen Themen.

Die Elternblogs explodieren. Ich habe vor kurzem eine Expertise auf einem Mütterblog gemacht über ein, nicht weltbewegendes, Thema. Es wurde 750 mal!!! kommentiert. Es wurde analysiert und auseinander genommen. Wahnsinnig viel Energie wird ins Orbit geschickt. Anstatt man für sich guckt, kann ich damit etwas anfangen? Wenn nicht, weg damit.
Aber es wird gestritten, gepöbelt und gelobt.

Diese Energie sollte mehr zu den Kindern. Aber da wird mir sehr oft rückgemeldet, „Mir fällt die Decke auf den Kopf.
Ich empfinde es als eine merkwürdige Zeit. Das etwas schiefläuft, sehen wir bei den Kindern.
Im Jahrgangs Buch von Melina gibt es sechs Abiturienten, die eine Ahnung haben, wie es weiter gehen kann. Alle Anderen der drei Abschlussklassen müssen sich erst mal orientieren und sich erholen.
Eigentlich sollten die Schulabgänger kraftvoll und motiviert in ihr Erwachsenenleben starten. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Jugendlichen sind schon am Startblock völlig fertig und perspektivlos.

Wir Eltern tragen die Verantwortung,

die Kinder in diesem schrägen System möglichst gesichert groß werden zu lassen. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir leisten können.
Zeit mit den Kindern verbringen.
Möglichst viel in den ersten drei Jahren. Damit sie eine starke Basis bekommen, wenn der Sturm losgeht. und das tut er.

In der letzten Wahlperiode las ich auf Facebook eine Wahlkampagne einer großen Partei. Darauf stand in etwa Fast 90% der Eltern wünschen sich Ganztagsbetreuung in den Schulen. Wir machen es möglich.
In den, wieder mal unendlichen Kommentaren war der Tenor, na schön wär es, wie soll das denn gehen?

Ich kommentierte auch mit der Frage:
Wie viel Prozent der Kinder wünschen sich das?

Kindergärten sind Orte für Kinder. Würde es sie nicht geben, würden Kinder sie erfinden.
Krippen sind Orte für Erwachsene. Würde es sie nicht geben, kein Kleinstkind bis zu drei Jahren wünscht sich Fremdbetreuung.

Soziale Kontakte können wunderbar gemacht werden, indem Gruppen gemeinsam besucht werden. Oder Mütter sich treffen. Mehr brauchen Kinder in dem Alter nicht.
Aber heute ist das kaum möglich, weil alle in den Einrichtungen stecken.

Kaum eine Familie kann es sich heute noch leisten, drei Jahre nur ein Gehalt zur Verfügung zu haben.
Die Mittelschicht verdient so schlecht, dass der Druck auf die Frauen enorm ist.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte:

Wir brauchen nicht mehr Betreuungsplätze. Wir brauchen bessere Gehälter. Das eine Familie ein ordentliches Auskommen hat mit nur einem oder zwei halben Gehalt/ Gehältern.

Die Eltern könnten entscheiden, wer zu Hause bleibt, aber das Bedürfnis des Kindes und die Entstressung der Familie steht im Vordergrund.
Nachdem das Kind innerlich sicher ist, also nach der Innenentwicklung, kann das Kind in den Kindergarten und die Eltern können mehr arbeiten und somit den Lebensstandard heben.
Dann spart sich Deutschland wahnsinnig viel Geld.
Außerdem könnten wir mit jungen Erwachsenen rechnen, die stark und glücklich in ihr Erwachsenenleben starten.

 

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