…und was brauchen dann die Kinder wirklich?

Auf unsere Kinder ist ein unglaublicher Fokus gerichtet.
Kommt ein Kind auf die Welt, richten die Eltern ihren Fokus, in der Regel, komplett auf ihr Kind aus.
Alles muss möglichst perfekt sein.
Somit wird informiert und gelesen, geplant und organisiert.
Die Aufgabe, perfekte Eltern (besonders eine perfekte Mutter) zu sein, gleicht einem Wettkampf. Einem harten Wettkampf mit sich selbst.

Das Kind soll möglichst gut gelingen. Daran misst sich der Erfolg in unserer großen Aufgabe.
Die Mütter müssen alles im Griff haben, so sagt der Anspruch.
Der Anspruch des Partners, der Gesellschaft, dem eigenen Ich.
Die heutigen Eltern sind schon die Generation, die wahrgenommen hat: Funktionierst du gut, hast du eine Berechtigung. Bloß nicht aus der Reihe fallen! Immer gut funktionieren!

Dieses wird über Kontrolle zu erreichen versucht. Die Kinder sind ununterbrochen unter Aufsicht. Freiheit, wie ich sie noch kennenlernen durfte, gibt es kaum noch.
Damit wird die Selbstwahrnehmung der Kinder extremst eingeschränkt.

Es verschiebt sich so Vieles auf merkwürdige Art und Weise.

Ängste und Unsicherheit bestimmen den Alltag.
Ständig muss ich Zettel unterschreiben. Zum Beispiel, ob Luna auf der Konfirmation ihrer Freundin ein Glas Sekt trinken darf. Oder wenn sie auf Geburtstage eingeladen wird, ob sie dort, mit 16 Jahren, ein Bier trinken darf.
Wovor haben Eltern Angst? Dass sie von anderen Eltern angezeigt werden könnten? Und was dann? Dass sie ins Gefängnis müssen? Habt ihr in eurer Jugendzeit zu Hause Zettel unterschreiben lassen? :-O

Melina gratuliert ihrer Klassenkameradin zum bestandenen Führerschein und dass sie jetzt ja vielleicht, ab und zu mal, mit dem Auto ihrer Eltern zur Schule fahren könnte. Diese antwortet ihr, dass der Führerschein bedeutet, sie darf ab jetzt mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Die Eltern hatten es vorher als „zu gefährlich“ empfunden.

Ich frage mich, was haben all diese Eltern für eine eigene Kindheit gehabt?
Die Kinder werden verplant, eigentlich von Geburt an. Das ist so wahnsinnig anstrengend, weil die Kinder diesen Anspruch oft nicht erfüllen können.
Die Wahrnehmung für die Kinder ist allerdings, „ich schaffe es nicht, dann sind meine Eltern enttäuscht von mir. Ich genüge nicht“.
Charakterabhängig gehen die Kinder dann in den Angriff oder in die Flucht.
Also Aggression, mit Verweigerung, Störung und Wut oder die Depression, mit Bauch- oder Kopfschmerzen, Traurigkeit, Hilflosigkeit.
„Ich bin zu dumm“ hören Eltern dann von ihren Kindern.

Dazu habe ich dieses Bild:

Die Eltern sehen es als ihre Aufgabe, möglichst perfekte Bedingungen zu schaffen, damit das Kind das „Haus“ (ihr Leben) in Besitz nehmen kann. Sie bereiten alles vor, das Kind muss nur noch mitlaufen. Dafür wird gefördert und geübt. Hausaufgaben noch und nöcher, Nachhilfe. Ein Alptraum, wenn es nicht klappt.
Bei diesem Konzept wird der Fokus von dem inneren Ich weg gebracht und auf die Äußerlichkeiten des Lebens gelenkt.

Ich sage, kümmert euch nicht um das „Haus“ der Kinder. Das machen sie später allein. Wir wissen doch noch gar nicht, ob sie ein Holz- oder Steinhaus wollen, ein Wohnmobil oder eine Etagenwohnung. Das geht uns überhaupt nichts an.
Kümmert euch nur um das Fundament des Hauses.
Das ist die Aufgabe von Eltern.
Sichert eure Kinder mit Bindung und Kuschelzeit.
Mit gemeinsamen Lachen und nicht mit Hausaufgabenhilfe.
Mit hinsehen, wen ihr da WIRKLICH vor euch habt.

Wenn das Fundament nicht sicher ist, bekommt das Haus Risse. Viele Erwachsene wissen, wie mühsam es ist, die Risse in der eigenen Fassade immer wieder zu schließen.
Ist das Fundament nicht stabil, hat man sein Leben lang damit zu tun.
Bringt ihnen, in den ersten zwei/drei Schuljahren bei, wie man lernt und dann lasst sie machen. Machen sie nicht, lasst sie Rückmeldung von der Lehrkraft bekommen. Das Leben muss ihnen Rückmeldung geben.
Gut gesicherte Kinder werden immer, das für sie Möglichste, machen. Jeder Mensch mag es, gut zu sein.
Wenn ich aber als Kind wahrnehme, ich muss besser sein, steigt der Stress. Im Stress kann das Gehirn nicht gut arbeiten.
Die Kinder fühlen sich beschämt und überfordert.

Warum schauen wir uns unsere Kinder nicht in Ruhe an und fördern sie nach IHREN Interessen und Möglichkeiten?

Warum müssen unsere Hoffnungen und Pläne so oft über denen unserer Kinder liegen? Und dann verkaufen wir unsere Träume den Kindern so, als wären es ihre Eigenen. 🙁

Als mein Empfehlungsgespräch damals in der Grundschule stattfand, kamen meine Eltern nach Hause und meine Mutter sagte zu meiner Oma in der Küche: „Hauptschulempfehlung, wie schade. Ich hoffte, sie würde eine Realschulempfehlung bekommen. Aber vielleicht versuchen wir es einfach. Sie wird es schon schaffen.“
Mein wunderbarer Papa sagte daraufhin, das würde nicht infrage kommen. Ich solle eine schöne Kindheit haben.
Und somit ging ich zur Hauptschule. Es war eine gute Zeit. Ich war nicht überfordert. Danach machte ich, in zwei Jahren meine Realschulreife nach. Alles war gut.
Meine beiden Mädchen hatten beide eine Realschulempfehlung. Melina hat seit diesem Jahr ihr Abitur und Luna ist auf dem Weg dahin.
Beiden habe ich es freigestellt. Ich sagte ihnen, sie würden ihren Weg machen. Ich gehe mit jedem Weg mit. Es war ihre eigene Entscheidung. Somit tragen sie auch die Verantwortung dafür.
Ich bin nur ihr Rückendecker.

Kinder gehen ihren Weg in ihrem Tempo

wenn wir sie lassen. Dann können sie sich entwickeln und das aus ihrem Leben machen, was sie vermögen.
Das sollte uns Eltern reichen.
Standfeste, glückliche Kinder ins Leben zu bringen, die wissen, wer sie sind. ♥
Das ist das größte Geschenk an unsere Kinder.

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