Wie wäre es, wenn unsere Kinder nachts schlafen dürften?

Meine Güte, was für ein Thema. Überall begegnet es mir.
Auf den super Mami- und Papiblogs springt mir das überall gehypte Elternbett entgegen.
„Meine Kinder müssen nicht schlafen, sondern ihren Bedürfnissen nachgehen.“
Bei Facebook lese ich, was es mit Kindern nachhaltig macht, die Nachts in ihrem Bett schlafen sollen und das aber nicht so gerne möchten. Als Bindungstherapeutin muss sagen, ich bin beeindruckt.

Ohne mit der Wimper zu zucken, werden einjährige Kinder, in der mit der Mutter verbundensten Phase ihres Lebens, in der Fremdelphase, den Großteil des Tages in die Fremdbetreuung gegeben.
In dieser Zeit können die Kinder nicht das tun, was sie in dem Alter eigentlich tun: Sicherheit einspeichern, dass sie mit ihrer wichtigsten Bindungsperson verbunden sind und sich mit dieser Sicherheit im Rücken, nach und nach ins Außenleben bewegen.
Mir wird voller Überzeugung erzählt, dass es für die Entwicklung der Kinder wichtig ist, mit einem Jahr in eine Krippe zu gehen. Aha.

Gleichzeitig werden die Kinder in der Nacht dermaßen unterhalten, dass sie einem im Menschen innenliegenden Grundbedürfnis, nämlich nach einem vollen Tag sich in der Nacht auszuruhen und zu schlafen, nicht nachfolgen können.

Das Gehirn der Kinder kommt aus dem Stresspegel nicht mehr raus und überkoppelt.

Nach der Geburt sind die Kinder ein halbes Jahr in der nachgeburtlichen Bindungsphase, in der sie gesichert auf der Erde und in ihrem Leben ankommen können sollten. In dieser Zeit brauchen die Kinder es dringend, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Wenn im Bauch der Mutter alles gut lief, hat der Körper des Kindes vorgeburtlich noch nie einen Mangel wahrgenommen.

Das ändert sich mit der Geburt.
Die ersten zwei Entwicklungsphasen

Sie frieren oder es ist ihnen zu warm. Sie haben Hunger oder es ist ihnen zu still und sie bekommen Angst.
Kinder in diesem Alter brauchen die Nähe und die Sicherheit, dass es im Leben gut weitergeht.

Kinder im ersten halben Lebensjahr können nicht verwöhnt werden.

Mit einem halben Jahr dann wird die Außenwahrnehmung der Kinder immer mehr. Sie nehmen ihre Umwelt schon intensiv wahr und das ist anstrengend.
Allerdings sind die Kinder es auch gewohnt, rund um die Uhr regelmäßig zu essen. Das war bisher in ihrem gesamten Leben der Fall.

Das ist ein bisschen so, als wenn Sie immer um zwölf Uhr, in der Kantine zu Mittag essen. Dann denken Sie um viertel vor zwölf, „Na, nun wird es aber Zeit, ich habe Hunger.“
Wenn Sie allerdings dann Urlaub haben, haben Sie noch zwei Tage um zwölf Hunger und dann passen Sie sich der neuen Situation an.

So ist das mit den Kindern auch. In dem Alter wird es wichtiger, das Gehirn zu entspannen und zu schlafen, als nachts zu essen.
Und nicht nur ein Essensprogramm wird dann mitternächtlich gestartet, sondern ein Unterhaltungsprogramm gleich noch mit dazu.

Eltern werden durch die Medien unter Druck gesetzt

Ich stelle fest, dass Eltern sich nicht mehr trauen, in diesem Thema mit Klarheit zu agieren.
Das schadet den Kindern. Sie sind überreizt und kommen immer schlechter in einen Ruhemodus.
Außerdem laufen auch die Erwachsenen wie die Zombies herum, wenn man über lange Zeit nicht mehr zur Ruhe kommt. Bei manchen Müttern stelle ich in Frage, ob sie vor lauter Übermüdung eigentlich noch Auto fahren dürften.

Schlafen ist für Groß und Klein lebenswichtig

Wenn Sie mit dieser Aussage nicht mitgehen, hören Sie hier gerne auf zu lesen und machen Sie so weiter. Jeder macht es, wie es sich für ihn richtig anfühlt.
Eines gebe ich aber noch als Tipp mit.
Das Schlafthema sollte geklärt sein, bis das Kind eigenständig sein Bett verlassen kann. Wenn der Schatz bis dahin nicht gern und entspannt in seinem Bett ein- und durchschläft, fängt das Gewandere Nachts an und hört, in der Regel, über viele Jahre nicht auf.
Die armen Kinder wachen nach innerer Uhr immer wieder auf und unterbrechen ihre Erholung. Die Eltern natürlich auch aber da hält sich mein Mitleid in Grenzen… 😉

Bei meinen Kindern lief es so:

Mit dem Ende der ersten Bindungsphase, also zum halbjährigen Geburtstag ging es los.
Ich brachte sie mit einem Ritual wie immer ins Bett. Allerdings in ihr Zimmer. Im ersten halben Jahr waren sie im Elternschlafzimmer, dann durften sie in ihr Zimmer. Das ist aber natürlich auch noch nicht nötig, falls Sie als Eltern Ihre Kinder noch bei sich brauchen, werden Ihre Lieblinge sich bestimmt noch bereit erklären, Ihre Sehnsucht zu stillen. 😉
Falls Sie es aber für Ihren Schlaf auch entspannter empfinden, steht dem gemütlichen Bett im Kinderzimmer nichts im Weg.

Dann hab ich sie also warm und satt ins Bett gebracht und habe mich verabschiedet.
Kinder sollten in ihrem Bett alleine einschlafen, damit sie nicht Angst bekommen, wenn sie aufwachen und auf einmal nicht mehr im Arm der Eltern liegen. Außerdem ist es für den Menschen wichtig, wahrzunehmen, dass sie sich selber regulieren lernen.
Sollten die Kinder schon älter sein und eigenständig im Gitterbett aufstehen, ist es eben so. Sie verabschieden sich und gehen raus aus dem Zimmer.
Wenn dem Kind das missfällt, gehen Sie nach 5 Minuten hin und fassen das Kind an. Hand auf den Bauch, stehende Kinder hinlegen, und im Körperkontakt eine kurze, liebevolle Ansage.
„Alles ist gut, du bist ganz sicher. Mama ist da, Papa ist da, jetzt ist Schlafenszeit.“ …und wieder rausgehen.
Dann nach sieben Minuten wieder reingehen und die Ansage im Körperkontakt wiederholen.

Holen Sie ihren Schatz nicht mehr wieder raus aus dem Bett. Das Kind denkt, jetzt geht das Programm wieder los und fährt wieder hoch.
Somit immer wieder nach sieben Minuten rein und wiederholen, bis sie einschlafen. Wenn sich das Drama hinzieht und eigentlich schon die nächste Mahlzeit dran wäre, geht es weiter. Das Kind wird nicht aus dem Weinen gefüttert. Es muss einmal kurz schlafen.

Vor vielen Jahren erzählte mir eine Frau beim Pekip, dass das Durchschlafen, trotz dieses Weges nicht funktionierte. Ihr Sohn würde einfach nicht durchschlafen. Ich fragte, wie denn der Ablauf bei ihr wäre. Sie druckste ein bisschen herum und sagte mir dann, dass sie es nicht gut aushalten könne, ihn nicht zu füttern. Allerdings würde sie ihn nicht mehr aus dem Bett holen, weil ich das ja gesagt hätte. Sie beugt sich also über sein Gitterbett und lässt alles was für das Stillen wichtig ist, in sein Bett runterhängen.
Er liegt wie im Schlaraffenland und braucht nur noch den Mund aufzumachen….und dann fragt man sich ernsthaft, warum Kinder nicht schlafen???

Tun Sie es oder lassen Sie es. Aber machen Sie es ganz oder gar nicht. Ihre Unsicherheit bemerkt ihr Kind selbstverständlich.
Das ist eine Aussage, die im gesamten Erziehungsleben bestand hat.

Eine Mahlzeit pro Nacht ersetzen

Wenn das Kind bis dato vier Mahlzeiten in der Nacht hatte, braucht man also bis zu vier Nächte. Eine Mahlzeit pro Nacht mehr auslassen.  Oft ist es allerdings so, dass die Kinder so entlastet sind, dass sie nach drei Nächten schon auf die weiteren Mahlzeiten verzichten und schlafen.
Ich sage den Müttern immer, in drei Nächten ist es geschafft und ein Kind in dem Alter schläft 10-12 Stunden.

Für Viele ist es so überraschend, dann auch festzustellen, dass das Kind, obwohl es nun schon so lange nichts mehr gegessen hat, es morgens aufwacht und sehr entspannt ist. Viel entspannter als nach den durchgefutterten Nächten. Auch die Tage sind entspannter. Der Mittagsschlaf geht besser und alle sind besser drauf.

Mit einem halben Jahr braucht ein Kind Nachts nichts mehr essen.

Sorgen Sie für sich. Halten Sie sich den Rücken frei. Als ich mit Luna ins Durchschlafen ging, wollte ich nicht, dass Melina gestört wird. Also hat ihr Vater mit Melina im Wohnzimmer ein Igluzelt aufgebaut und für drei Nächte dort campiert. Beide waren traurig, als dieser Spaß so schnell vorbei ging und Luna nachts lieber schlief anstatt zu essen.
Eine Frau in meiner Gruppe hat mal erzählt, dass sie in ihrem Mietshaus bei allen Nachbarn ein kleines Tütchen mit Sekt und Marzipan an die Tür gehängt hat und sich schon im Vorwege entschuldigt hat, dass es in den nächsten Nächten laut werden könnte. Damit hat sie sich selber entlastet und konnte frei in die Nächte gehen.

Lassen Sie Ihren Kindern und sich das, was eine Nacht sein sollte. Eine Erholungszeit.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern geruhsame Nächte. ♥

Wenn Sie Hilfe brauchen, schreiben Sie mich gerne an.

8 Antworten auf „Wie wäre es, wenn unsere Kinder nachts schlafen dürften?“

  1. Hallo Nicole welch gelungener Artikel!
    Bin fasziniert und gleichzeitig erschrocken was in den Köpfen der heutigen Elterngeneration so vorgeht 🤔

    1. Dankeschön, liebe Anja.
      Ich würde mich so freuen, wenn die Eltern durch diesen Artikel Mut bekämen, für sich und für die Kinder dieses Thema anzugehen.
      Es geht dann allen besser.
      Ich freue mich, dass du hier geschrieben hast.

  2. Ach hätte ich das mal vorher gewusst. Nun habe ich ein Wander Kind und bekomme jede Nacht gegen zwei Besuch. Ich hoffe einfach darauf das es sich von alleine legt. Mir fehlt es nach einem langen Tag einfach an Kraft noch einen Kampf zu starten. Ich weiß, nicht die beste Lösung. Aber der ältere schläft ja nun such alleine, also hab ich Hoffnung.
    Ich weiß auch nicht ob mein Mutterherz das ausgehalten hätte🙈
    Ein schöner Artikel!

    1. Hallo liebe Esther,
      so ist es. Früher, später oder viel später erledigt es sich von allein. Ich drücke dir vor ♡en die Daumen für die erste Variante.
      Allerdings ist es natürlich auch möglich, jederzeit auf einen neuen Kurs zu gehen. Dauert dann bloß länger.
      Mir blutet immer das Herz bei den vielen, sehr erschöpften Eltern und Kindern, die über Jahre ihre Nachterholung nicht leben. Denn wie im Artikel gesagt, aus Gewohnheit wacht der Körper auf. Auch wenn es ihm schadet.
      Ich drücke euch alle Daumen für erholsame Nächte.

  3. Hallo Nicky,

    danke für den tollen Artikel! Das ist Wasser auf meine Mühlen – habe eine 15 Monate alte Tochter, die gestern Nacht zum ersten Mal mit dem Papa im Bett geschlafen hat, damit sie nicht viermal gestillt werden muss: es hat funktioniert, sie hat 7 Stunden geschlafen.

    Mich würde noch interessieren, was du zum Einschlafen sagst. Mein Kind braucht oft 2, 3 Stunden, bis es einschläft. Alleine lassen im Schlafzimmer geht gar nicht (sie brüllt und bekommt Angst und wird zornig, das halte ich kaum länger als eine halbe Minute aus). Wenn sie mit uns Eltern schlafen geht, muss sie sich ewig rumwälzen, bis sie mal zur Ruhe kommt und überhaupt bereit ist, sich mal hinzulegen. Hast du da vielleicht einen Gedanken dazu? Warum kommt sie nicht zur Ruhe? Das ist seit der Geburt so bei ihr.

    1. Hallo liebe Sonja,
      das freut mich sehr für euch. Wunderbar. ♡
      Immer ein Schritt nach dem Anderen. Ihr macht das richtig. Wenn die kleine Maus schon mal bemerkt, dass Schlaf Nachts toller ist als Trinken, ist es ja schon großartig.
      Die Abendeinschlafschwierigkeiten können verschiedene Ursachen haben. Eine Idee ist, dass es das Selbe ist, wie das nächtliche Aufwachen. Also das Nervensystem ist vom Tag überreizt und sie kommt nicht zur Ruhe.
      Und nun ist es verselbstständigt und sie hat das Gefühl, dass Einschlafen geht nicht anders.
      Immer mal wieder hat so eine Überreizung aber auch mit einer Körpererfahrung bei der Geburt oder in der Schwangerschaft zu tun. Wenn der Mensch zur Ruhe kommt und nicht durch Außenreize abgelenkt wird, ploppt die Erinnerung an die Oberfläche und macht unruhig oder/und Angst.
      Beschrieben habe ich das in der Kategorie „KörperSchrank“.
      Am liebsten hätte ich euch einmal bei mir in der Praxis.
      Wir bräuchten zwei Termine.
      Einen, gern auch telefonisch, um alles zu besprechen und dann einen Termin mit euch bei mir, wo wir die Kuh vom Eis holen können.
      Wenn ihr wollt, meldet euch gern unter 0177/3305170.
      Eure Nicky

  4. Hallo Nicky,
    Ein toller Beitrag und eine tolle Seite.
    Ich war vor langer Zeit einige Male bei dir und habe mit meiner Mutter Familienaufstellungen gemacht.
    Nun bin ich durch Zufall auf deinen Blog gestoßen.
    Wir gehen aktuell am Stock , ich als Frau und Mutter, als Paar als Eltern als Familie .
    Unser Sohn ist fast 19 Monate alt und hält uns jede Nacht vom schlafen ab . Er ist Patchwork mäßig das 5. Kind und wir wissen nicht was wir tun sollen.
    Wir hängen abends fast 2 Stunden gebäugt übers Babybett nun machen wir es wieder so das er bei uns einschläft weil die Kraft fehlt.
    Vielleicht hast du ein paar Tips für mich?
    Ich habe zudem einen Asperger zu Hause der mit gerade 8 auf Hochtouren läuft und einen Kaktus mit gerade 12 …
    Ich gehe am Stock und freue mich über jede Hilfe …

    1. Hallo liebe Sandra,
      na klar kann ich da helfen.
      Melde dich bei mir 01773305170. Gerne auch über WhatsApp. Dann gucken wir, wie wir die Kuh vom Eis kriegen. 😚
      Ich melde mich gleich nach meinem Urlaub, sobald ich wieder da bin.

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