Was tun bei „bissigen“ Kindern?

Die Körperwahrnehmung der Kinder ist immens. Der Intellekt kommt später dazu. Somit nehmen Kinder alles in sich und um sich herum auf der Körperebene wahr. Freude, Kontakt, Geborgenheit, Hunger, Angst, Kälte usw.
Deshalb reagieren Kinder auch hauptsächlich über den Körper.

Warum… ???

Immer wieder beißen kleine Kinder aus verschiedensten Gefühlen gerne in ihre Mütter wie z.B. beim Stillen.
Solange das Kind sehr hungrig ist, sind sie mit dem Trinken beschäftigt. Wenn dann aber schon der erste Hunger gestillt ist
und evtl. etwas Spannendes zu sehen ist, beißen die Kinder sich fest und drehen den Kopf… während ich das schreibe, funktioniert die Körpererinnerung perfekt… 😉 schrecklich…
Oft ist es so, dass Mutter/Vater und Kind kuscheln und die Kinder plötzlich zubeißen.
Man merkt, dass es aus einem Wohlgefühl entstanden ist. Wie ein lustvoller Impuls.
Dazu kommt sicherlich auch noch, dass die zahnenden Kinder gerne auf alles Mögliche beißen um den Druck der sich verhärtenden Zähne im Kiefer zu entlasten. Beißen entlastet den Druck.
Außerdem sind Kinder in der oralen Phase bis sie ca. 1 ½ sind.
Somit alles rein in den Mund.

Lama
Dann gibt es noch die Form des Beißens bei dem die Kinder merken, dass es ein nicht gewünschtes Verhalten ist (weil die Mutter merkwürdige Reaktionen wie Schreien zeigt :-O) und die Kinder schon so alt sind, dass sie mit dem Austesten anfangen…
Damit meine ich: Das Beißopfer sagt nein oder schreit „Aua“,
die Kinder grinsen sich Einen und zack, gleich noch mal versucht.
Wenn die Kinder noch älter werden, kommt es manchmal zur Beißattacke weil die Kinder gerade furchtbar wütend sind und einfach nicht mehr wissen, wie geht es noch gesellschaftlich adäquat???  😀

Aus welchen Gründen auch immer. Beißen tut furchtbar weh, gibt im schlimmsten Fall furchtbare Verletzungen.
Die Tochter einer Freundin wurde in der Krippe von einem anderen Kind in die Wange gebissen.
Sie ist inzwischen über 20 Jahre alt und die Narbe sieht man heute noch.

Wie bringe ich`s meinem Kinde bei?

Kinder brauchen Zeit um Ansagen zu verarbeiten und wahrzunehmen. Die Wahrnehmungsebene der Kinder ist der Körper.
Ein Beispiel dazu. Wacht dein Kind nachts weinend auf weil es schlimm geträumt hat und du gehst bis zur Zimmertür und tröstest von dort, hilft es gar nichts. Das Kind braucht es, in die Arme geschlossen zu werden. Durch deine Körperpräsenz fühlen die Kinder die Sicherheit.
Wenn wir also auf das beißende Kind mit einem klaren Nein reagieren, erreichen wir den Intellekt des Kindes. Wenn es ankern soll, brauchen wir die Körperebene dazu. Also fass dein Kind an dem Körperteil an, was gerade das Verhalten gezeigt hat. Beispiel: Wenn das Kind dich haut, fass es an die Hand, wenn es tritt fässt du das Bein.

Um beim Thema zu bleiben. Beißt das Kind und du fässt die Hand oder das Knie des Kindes bekommt es den körperlichen Zusammenhang schwer hin.
Also fass das Kinn an und sage klar: „Nein. Aua.“ Nicht lange Vorträge.
Dann bleib dran. Der zweite, wirklich absolut wichtige Schritt ist die Zeit. Kinder brauchen Zeit um Informationen in ihrem Gehirn ankern zu lassen.
Uns Erwachsenen ist es schlimm, mit unserem Kind zu schimpfen und somit machen wir eine kurze Ansage und versuchen, Konflikte möglichst schnell hinter uns zu bringen.
Das Problem ist, dass ich dann das gleiche Konfliktthema unzählige Male durchexerzieren muss.

Somit lass dir Zeit.

Zieh die Klärung in die Länge. Bis du merkst, das Kind verliert den Spaß.
Kinn in die Hand nehmen. Ansage kurz und deutlich. Kinn nicht loslassen …waaaaarten … waaaaarten… noch mal Ansage:
„Nein. Nicht beißen. Aua.“
Gucken ob die Stimmung schon kippt. Sind wir mal ehrlich. Bringt es dem Kind noch Spaß, was sollte dann der Grund sein, dass das Kind mit dem Verhalten aufhört?
Zu oft behandeln wir Kinder wie kleine Erwachsene. Wir hoffen, dass sie sich intellektuell erziehen lassen…
Wenn das Kind noch vergnüglich dabei ist: Verlängerungsrunde, immer im Körperkontakt bleiben.
Wenn die Stimmung kippt, das Kind in den Arm nehmen und trösten. Nie das Kind im oder nach dem Konflikt von sich weg schicken.
Warum das so wichtig ist, erzähle ich später noch.

Absolut wichtig: Immer gewaltfrei agieren.

Es geht niemals um laut, doll oder hart. Sondern darum, daß Kind zu erreichen, bei ihm zu sein, zeigen wie Menschen miteinander umgehen, Klarheit zeigen, damit die Kinder uns als stabil und verlässlich wahrnehmen können. Spüren sie bei uns Verunsicherung macht ihnen diese Angst und sie reagieren auch in Unsicherheit und testen ihre Grenzen erneut.
Kinder lernen was wir ihnen beibringen.
Viel Erfolg.

Falls noch Fragen dazu sind, schreib sie mir gern in den Kommentar oder kontaktiere mich.

Eine Antwort auf „Was tun bei „bissigen“ Kindern?“

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag zu meinem Wunsch Thema. Ich werde es bei nächster Gelegenheit (die wird nicht lange auf sich warten lassen) sofort ausprobieren! Danke, dass du so schnell auf meinen Wunsch reagiert hast und einen Beitrag zu dem Thema geschrieben hast! Das ist mir doch glatt einen finanziellen Beitrag zu deinen Entwässerungsschächten wert 😉 liebe Grüße

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