…vom Geben und Nehmen

Mein aktuelles Wunder

Es ist wirklich manchmal unglaublich, was mir in meinem Leben so passiert. Ich habe kein Talent für die gerade Mitte.
Entweder trifft mich absolutes Chaos oder ein Wunder.
Diese 56 Menschen in meiner Bauphase 2011 waren ein gigantisches Wunder.
Gleichzeitig war diese Baueskalation aber auch freier Fall…schrecklich.
Um in meine eigene Geschichte einzusteigen, möchte ich über das Geben und Nehmen in unserer Gesellschaft sprechen.
In der Partnerschaft, unter Freunden, auf Arbeitsstellen.
Es ist übertragbar auf alle sozialen Kontakte.

„Geben ist seliger als Nehmen.“

Mit diesem Spruch sind viele von uns aufgewachsen.
Stehen lassen kann ich ihn so nicht ganz.
Wenn Kinder auf die Welt kommen, sollten sie Nehmen können.
So lange, bis sie ganz angefüllt sind mit Liebe und Geborgenheit.
All die wichtigen ersten Kompetenzen entwickeln sich dabei.
Geborgenheit finden im Gegenüber, Liebe ♥, Sicherheit in Beziehungen, Entspannung auf körperlicher Ebene.
Wenn Kinder das schon mal einspeichern durften, ist schon mal
ein toller Schritt geschafft.
Wenn ich gut Nehmen durfte und eine gute Empathie erlernt habe,
kann ich es dann auch anders herum tun. Ich kann dann auch leicht
ins Geben kommen.

Mein Wippenbild

Ich habe zu diesem Thema ein Bild. Stell dir eine Wippe vor.

Wippe
Wie alles auf der Welt, kommt es in den Ausgleich.
Nacht / Tag, Glück / Pech, Leichtigkeit / Schwere, Sommer / Winter,
Aktivität / Ruhe usw..
Ist auf einer Seite zu viel, rutscht die andere Seite ins Ungleichgewicht und reagiert.
Zum Beispiel: Hat der Körper über einen langen Zeitraum, bewusst oder unbewusst, großen Stress wahrgenommen, geht der Körper ins Burnout o. ä. und zwingt den Menschen, zur Ruhe zu kommen.

Wenn ich ein Mensch bin, der Geben und Nehmen kann, ist es mir möglich, mir ein Gegenüber zu suchen, der das auch kann.
Dann befinden sich diese beiden Menschen relativ in der Mitte der Wippe und es geht für Beide ohne großes Festklammern, sodass niemand von der Wippe fällt.
Je intensiver das Geben oder Nehmen in einer Person ausgeprägt ist, desto mehr rutscht dieser Mensch von der Mitte der Wippe, nach außen.
Wenn man nun ein Nehmer ist, kann man mit einem Partner, der Geben und Nehmen kann,  nichts anfangen.
Anders herum genau so. Somit ist es dem Ausgleich geschuldet, welchen Partner ich mir suche.

Die Geber und die Nehmer 😉

Die Nehmer haben es hier relativ bequem, sind aber in der kindlichen Rolle gefangen. Viel Chance, erwachsen zu reagieren, haben sie in dieser Struktur nicht. Außerdem sind sie sehr abhängig von dem Geber, was oft dazu führt, das der Nehmer auch in unglücklichen Beziehungen ausharrt.
Die Alternative wäre, daran zu arbeiten, was verhindert hat, erwachsen zu werden und für sich selbst zu sorgen.
Raus aus der Komfortzone, denn sie kann auch ganz schnell mal zu einem Gefängnis werden.

Der Geber identifiziert sich übers gebraucht werden. Er tut und macht,
nimmt eigene Erschöpfung oder Grenzüberschreitung nicht gut wahr. Hauptsache, er wird gebraucht und bekommt diese Rückmeldung.
Die Geber haben oft ein Thema mit Kontrolle und Kontrollverlust.
„Wenn ich es selbst mache, weiß ich wenigstens, dass es gut wird.“
ist ein typischer Satz des Gebers.

Was tun???

In der Regel kommt man schwer aus seiner Dynamik heraus.
Meistens kommt Veränderung über einen sehr unangenehmen Weg. Depression, Burnout oder andere Lebenskrisen zwingen uns in die Bewusstmachung.
Wenn wir danach auf denselben Weg zurückgehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kelle kommt.

Ich habe gemerkt, das ich mich 2011 sehr weit außen auf der Wippe befand. Kennt ihr noch das Gefühl, wenn der Andere auf der Wippe schwerer ist als man selbst und man sich nur noch mit einer Hand fest hält und sich so weit wie möglich zurücklehnt um das Gegengewicht halten zu können?
Dieses Gefühl hatte ich in den Jahren davor.  Dann ließ ich los und fiel.
Wer los lässt hat zwei Hände frei…

Ich verlor die Kontrolle, wurde von Anderen abhängig, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Seit dieser Zeit kenne ich das Gefühl von Existenzangst.
Das Gefühl, „ich habe mich übernommen…. kann ich es alleine schaffen?“
Das hat bei mir tatsächlich nichts mit einer unbewussten Wahrnehmung  aus meiner nonverbalen Zeit zu tun, denn die wichtigen Einspeicherungen hab ich erfüllt bekommen.
Ich hatte großes Glück mit meinen Eltern. Sie wussten die Prioritäten gut zu setzen.

Durch diese Basis hatte ich den Mut, diesen großen Schritt zu tun.
Gute Basis macht Menschen für ihr Leben sicher.
Deshalb liebe Eltern: Eure große Aufgabe ist Bindung, besonders in den ersten Jahren.
Ihr seid für die ♥ensentwicklung eurer Kinder zuständig.
Ist das Fundament stabil, werden Kinder mutig und frei.
Die Bildung macht dann die Welt. Sie erledigt später die Kopfentwicklung.

Ich kaufte dieses abbruchreife Haus und die Überforderung überschwemmte mich in Bezug auf die Finanzen. Die Arbeit war es nie.
Vor Kurzem sagte mein Bauheld Bernd, der mich hat das ganze Ding überleben ließ, „Meine Güte Nicky. Was du hier in den letzten sechs Jahren selber gerissen, für Finanzen gestemmt und für Projekte angegangen bist, das machen andere in 30 Jahren an ihren Häusern nicht.“ und ich erwiderte: „Ja Bernd, aber ich kann auch nicht mehr.
Ich habe echt genug und bin mit meiner Kraft am Ende.“ Während ich das sagte, merkte ich, das stimmt gar nicht. Ich bin nur so kraftlos mit dem Finanzthema. Würde ich im Lotto gewinnen, ich würde sofort zur Schaufel greifen und mit Feuereifer weiter machen. ♥

Familienthemen

Das ist ein Familienthema. Geld hatte bei uns nie Leichtigkeit.
Meine Mutter erzählte mir oft, dass Oma und Opa Livemusik buchten zu Tanzveranstaltungen und sie mit meiner Oma am Fenster stand und zum Parkplatz guckte, ob Autos kamen und wie viele Leute drin saßen.
Meine Mutter kannte den Satz, „Hoffentlich können wir die Musik bezahlen.“
Das habe ich im Blut. „Geld reicht gerade…hoffentlich.“ „Zum Träume erfüllen oder mal ausruhen wird es nie reichen.“

Dieses ist unser Familienmuster. Ich weiß das.
Deshalb beschäftige ich mich mit diesem Thema. Es macht mir große Angst. Wie viel Angst, weiß ich erst seit ich das Haus gekauft habe. Aber ich bleibe dran. Damit meine Kinder (und ich dann ja auch) andere Erfahrungen machen dürfen.

Ich beobachte eine Entwicklung in der Gesellschaft, die meiner Meinung nach mit der Anonymisierung der Menschen zu tun hat.
Ich bemerke, das Menschen es immer leichter haben, in der Masse zu verschwinden. Z.B. das Menschen im Internet auf verschiedenste Arten eskalieren, sei es durch achtungslose Kommentare zu verschiedensten Themen,  Bilder auf Singlebörsen, die wirklich keine Frau sehen will, Kinderpornografie leicht gemacht usw. usw.

Der Mensch verschwindet in der Masse.

Es ist ganz leicht.
Letztens war ich sehr beschämt. Ich unterhielt mich mit einer Frau über dieses Thema. Sie erzählte, dass sie sich zu ihrem Geburtstag von den Gästen gewünscht hatte, dass diese an ein Kinderhospiz spenden, anstatt ein Geschenk für sie mitzubringen. Tatsächlich haben nur zwei von zehn Gästen überwiesen. Sie sagte, hätte sie sich Geld für sich gewünscht, wäre jeder auf ihre Feier mit einem hübsch eingepacktem Geschenk erschienen.
So aber war die „Verpflichtung“ nicht mehr da.
Dieses Phänomen ist mir auf Beerdigungen auch schon passiert. Anstatt Blumen mit zu bringen, wird um eine Spende gebeten…. und dann geht man nach Hause und vergisst es. Meine Güte, wie peinlich. Nach diesem Gespräch wird es mir nicht mehr passieren.

Das Nehmen wurde Gesellschaftstauglich

Unsere Gesellschaft nimmt mit großer Selbstverständlichkeit vom Anderen. Um so anonymer um so leichter.
Mit meiner langjährigen Freundin und nun auch Bloggerkollegin Snjezie www.die-kinderherztin.de hatte ich gerade dieses Thema.
Sie erzählte mir, welchem Shitstorm andere Blogger ausgesetzt sind, die auf ihren Seiten Werbung schalten oder einen PayPal Button installieren.
Die Rückmeldung vieler Menschen sei dann: „Ach jetzt soll es auf einmal Geld kosten“ oder „ach jetzt kommt Werbung, wie doof.“
Diese Kommentare sind natürlich ein total kindliches Verhalten.
Jemand erbringt eine Leistung die Andere nutzen.
Zur Unterhaltung, zur Unterstützung, um Informationen oder Ideen weiter zu geben.
Dafür darf man, als erwachsener Mensch, einen Ausgleich geben.

Jetzt kommen wir wieder zur Wippe.
Wenn ich ein Nehmer bin erwarte ich einen Geber auf der anderen Seite der Wippe. Begegne ich dann jemandem, der in der Mitte ist und sagt, ich gebe dir etwas und du dann mir, damit es dann im Gleichgewicht ist, kommt es zum Unfrieden auf der Nehmerseite.

Viele Menschen kennen es aus dem Job. Im Vorstellungsgespräch gibt es ein Angebot: Du arbeitest hier deinen Job und bekommst dafür dein Gehalt.
Viele Arbeitgeber aber nehmen und nehmen und nehmen.
Sie bewegen sich immer weiter auf der Wippe nach außen. Der Arbeitnehmer muss ausgleichen und gibt und gibt und gibt. Oft über seine Grenzen und es kommt zur Überforderung.
Bleibt der Arbeitnehmer standhaft in der Mitte sitzen geht das Gleichgewicht verloren und der Arbeitgeber wird mit dem Mitarbeiter unzufrieden.
Eine schreckliche Situation so oder so….

Danke ♥

Manchmal gibt es im Heute aber Menschen, die sind so großmütig.
Nun kommt meine aktuelle „WunderGeschichte“.
Ich hatte am Anfang des Monats wie immer meinen offenen Aufstellungsabend. Ich kassiere nicht ab, sondern habe eine „Kasse des Vertrauens“ im Eingangsflur stehen. Dort legt jeder sein Geld für den Abend rein. Wenn der Abend zu Ende ist, nehme ich das Geld raus. Tatsächlich zähle ich es seit Jahren nicht mehr durch. Am Anfang tat ich es noch, um zu gucken, ob alle bezahlt haben, die den Abend mitgemacht haben. Manchmal stimmte die Kasse nicht. Das machte mich echt traurig.
Ich überlegte, ob ich es nun anders machen sollte, aber ich entschied mich dagegen.
Ich möchte Vertrauen haben und somit hab ich es losgelassen.
An diesem Abend nun lag ein Brief unter dieser Schachtel. Darauf stand:

Briefumschlag

Ich freute mich über die Karte und legte sie mir weg.
An meinem Geburtstag packte ich mit meinen Mädchen meine Geschenke aus und dann sagte ich, „Oh, ich habe ja noch meine Geburtstagskarte.“ 🙂 Ich holte und öffnete sie und dachte, ich werde ohnmächtig.
Wir drei starrten auf diese Karte. Ich bin echt fassungslos.

Geschenk

Hier haben wir echt einen so selbstlosen Menschen…unglaublich.
Da es ja ganz augenscheinlich ein Blogleser ist, möchte ich hier DANKE SCHÖN sagen. Vielen, vielen Dank.

Auch DANKE möchte ich den Menschen sagen, die ihren Besuch auf dieser Seite mit der PayPal Möglichkeit honoriert haben.
Ich möchte und werde sie hier nennen, weil ich so froh und dankbar bin.
Bianca, Anne Rose, Mario, Anna Lena, Petra, Margot Birgit, ich danke euch. :-*
Es ist für mich eine Rückmeldung, dass euch der Blog Spaß macht und das ich es schaffen könnte, dieses schwere Muster aus meiner Familiengeschichte zu beenden.
Mir bringt es total viel Spaß, diesen Blog zu schreiben, aber tatsächlich ist es auch sehr aufwendig.
Zeit, die ich mir eigentlich nicht leisten kann. Aber ich nehme sie mir einfach und freue mich auf die weitere Zeit hier mit euch.

Die aktuelle, drängende Investition ist mein Gartenzaun. Nach der finanziellen Eskalation im letzten Jahr aufgrund der 386.000 Liter Geschichte brauche ich jetzt im Mai einen Gartenzaun.
Es lässt sich nicht mehr aufschieben, da ich neue Obermieter habe,
die nun ein Stück vom Garten ihr Eigen nennen. Somit muss definitiv ein Zaun her.
Durch dieses Geschenk und ein paar „Gartenzaun Überweisungen“ auf PayPal sind jetzt schon einige Meter geschafft über die ich mich, wie Sau freue.

Ich habe euch echt lieb und sage noch mal DANKE für eure Unterstützung, eure Weitergabe des Blogs, euer Interesse und die Liebe, durch die ich mich so gut aufgehoben fühle.

Eure Nicky♥

 

3 Antworten auf „…vom Geben und Nehmen“

  1. Hallo Nicky….ich freue mich immer deinen Blog zu lesen…toll was und wie du schreibst!
    Kennst du mich noch? Aufstellungsausbildung…ich sage nur rohe Nudeln und Kirschkerne
    Mach weiter so..viel Mut und weiter gutes Gelingen
    Birgit..

    1. Birgit…wie schön von dir zu hören. Das du das noch weißt 😀 den Nudeln hab ich abgeschworen, mir ist dabei ein Stück Zahn abgebrochen aber die Kirschkerne finden mich im Sommer immer wieder… 😉

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