Die Lebenswege

Ich habe von unserem Lebensweg ein Bild, dass ich sehr passend finde.
Mir kommt es oft vor, als wenn die Lebenswege über einen zugefrorenen See führen.

Bei manchen Menschen ist das Eis superdick und  somit tragfähig.
Bei den Meisten aber gibt es warme Bereiche unter der Eisfläche. Sie lassen das Eis dünn und brüchig werden. Es knackt immer wieder mal und manchmal bricht man sogar ein.
Dann stürzt man ins kalte Wasser.
Je öfter das Eis nicht gehalten hat, um so ängstlicher führt man seinen Lebensweg fort.

Nun kann man versuchen, diesen warmen Quellen aus dem Weg zu gehen. Man kann Umwege laufen aber sicher ist das Gefühl nicht.
In der Körperarbeit habe ich das folgende Bild.
Wir kippen Wasser auf die Eisfläche und in den drei Wochen Pause bis zum nächsten Prozess friert dieses Eis durch und verstärkt die Eisschicht.
Dann gießen wir wieder Wasser drauf und so geht es weiter.
Direkt bedeutet das, in der Arbeit aktivieren wir den Körper für das Loslassen der eingespeicherten Dinge und in der Zeit danach integriert der Körper dieses.

Nichts ist so heilungswillig wie der Körper…

…wenn wir ihn nur ließen.
Weil der Mensch aber versucht, möglichst schnell unangenehme Gefühle zu beenden, geht man in Verdrängung und versucht die Kiste fest zu verschließen.
Somit bleibt das Gefühl in uns. Später denkt man, „Oh Gott, wenn ich an dieses furchtbare Gefühl wieder ran muss, kann ich es nicht aushalten. Wenn das verdrängte Gefühl im Alltag nach oben ploppt, fühle ich mich schon so hilflos. Wenn ich mir dieses Urgefühl direkt ansehen soll, verliere ich sämtliche Alltagsstabilität.“

Das stimmt so nicht.

Früher war es in der Körperarbeit oft brachial.
So arbeitet man heute nicht mehr.
Menschen fühlten sich in der traumatischen Ursprungssituation hilflos. Wenn dieses nicht so war, ankert das Trauma nicht.
Wenn im Heute Heilung passieren soll, darf es nicht mehr hilflos sein. Sonst besteht die Gefahr der Retraumatisierung.
Abgeschwächt kann man es so sehen. Egal wie oft wir um unsere schweren Themen weinen oder sie erzählen. Entastung finden wir hierüber nur kurzfristig. Vielleicht tut es uns gut, das mal jemand zuhört, mit uns ist. Aber Salbe auf einen Splitter macht den Splitter nicht weg. Es gibt nur kurz das Gefühl von „Nicht alleine vor dem Berg stehen“.

Fazit

Es ist also wichtig, dass in der Heilung der Mensch immer in Sicherheit ist.
Wir gehen ein Stück ran und wieder weg. Wieder ran und wieder weg. Immer ein Stück weiter und immer nur so, wie es sich sicher anfühlt. So merkt der Körper, das er entlasten kann ohne den befürchteten Kontrollverlust.

Dadurch wird das Eis tragfester und sicherer.
Jeder Mensch entscheidet für sich, wie dick seine Eisfläche sein soll. Im Alltag merkt man, meiner Erfahrung nach, die Entlastung schnell. Verhaltensstrukturen ändern sich.

Manche arbeiten für sich, bis sie in ihrem Alltag nicht mehr einbrechen. Manchen reicht das nicht und es wird mehr Wasser auf die Eisfläche gekippt, so dass sie auch auf ihrer Fläche tanzen können. Ich bin so ein Typ, ich gehe nicht gerne zu Fuß.
Meine Fläche muss auch mein Auto halten. 😉

Auto auf eis

Dann ist der Splitter raus und es kann verheilen und in Frieden kommen.

Warum nun machen nicht alle ihre Fläche so stabil?
Das schreibe ich bald hier an dieser Stelle.

:-*

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